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Der stille Reformer: Wie Daniel Felinger den Nahverkehr herausfordert

Von Redaktion DFN Mittelweser Group

Teil 1: Der Bahnsteig als Schaufenster der Realität

Der Bahnhof Nienburg ist ein Ort, an dem sich die Wahrheit über den Nahverkehr nicht verstecken kann. Hier, zwischen quietschenden Bremsen, flackernden Anzeigen und genervten Pendlern, zeigt sich, wie gut -oder schlecht- ein System funktioniert.

Es ist früher Abend, als ich Daniel Felinger treffe. Er steht an Gleis 3, die Hände in den Taschen, den Blick auf die Abfahrtstafel gerichtet. Ein Regionalexpress nach Hannover hat zehn Minuten Verspätung. Niemand ist überrascht.

„Hier beginnt alles“, sagt er. „Wenn man verstehen will, was im ÖPNV falsch läuft, muss man hier stehen. Nicht im Büro.“

Felinger ist kein Mann der großen Gesten. Er ist ein Beobachter. Ein Analytiker. Ein stiller Reformer.

Teil 2: Die Geburt einer Initiative

PIÖPV: Netzwerk der Pendler*innen im Öffentlichen Personenverkehr Ein Name, der klingt wie ein Behördenprojekt, aber das Gegenteil ist: eine unabhängige, ungebundene, unbestechliche Initiative.

„Ich wollte etwas schaffen, das nicht von Politik oder Geld abhängt“, sagt Felinger. „Etwas, das nur der Wahrheit verpflichtet ist.“

Die DFN Mittelweser Group, sein Netzwerk, ist bewusst klein gehalten. Keine Fördergelder. Keine Lobby. Keine Parteibindung.

„Wenn man frei sein will, muss man unabhängig sein“, erklärt er. „Sonst sagt man irgendwann nicht mehr, was richtig ist, sondern was erwartet wird.“

Teil 3: Die Analyse des Systems

Felinger hat ein Talent, das man nicht lernen kann: Er sieht Muster, wo andere Chaos sehen.

Er erkennt:

  • warum Anschlüsse verpasst werden
  • warum Fahrgäste frustriert sind
  • warum Digitalisierung scheitert
  • warum Tarifstrukturen unlogisch sind
  • warum Unternehmen Probleme nicht lösen können

„Der ÖPNV ist wie ein Uhrwerk“, sagt er. „Wenn ein Zahnrad klemmt, bleibt alles stehen.“

Er spricht nicht aus der Theorie. Er spricht aus Erfahrung. Er fährt die Linien selbst. Er kennt die Fahrer. Er kennt die Schwachstellen.

Teil 4: Das Interview (Teil 1)

Wir setzen uns in ein kleines Café im Celler Bahnhof. Felinger bestellt Kaffee. Er wirkt ruhig, aber fokussiert.

Redaktion:

Daniel, Sie haben Einfluss. Mehr, als viele denken. Wie gehen Sie damit um?

Daniel Felinger:

Ich nutze ihn verantwortungsvoll. Ich will niemanden bloßstellen. Ich will Strukturen verbessern.

Redaktion:

Manche sagen, Sie seien „zu kritisch“. Was antworten Sie?

Daniel Felinger:

Kritik ist kein Angriff. Kritik ist ein Werkzeug. Wenn niemand kritisiert, bleibt alles, wie es ist.

Redaktion:

Was ist Ihr größter Erfolg?

Daniel Felinger:

Dass Unternehmen mit mir sprechen. Dass Fahrgäste mir schreiben. Dass Menschen merken: Man kann etwas verändern.

Teil 5: Digitalisierung | Der wunde Punkt

Felinger hat eine klare Meinung zur Digitalisierung:

„Viele Unternehmen glauben, sie seien digital, weil sie eine App haben“, sagt er. „Aber eine App ist keine Digitalisierung.“

Er fordert:

  • funktionierende Echtzeitdaten
  • Kartenzahlung in allen Bussen
  • digitale Tickets ohne Hürden
  • transparente Kommunikation

„Digitalisierung ist kein Luxus“, sagt er. „Sie ist Grundversorgung.“

Teil 6: Tarife, die niemand versteht

Felinger kritisiert die Tarifstrukturen scharf:

„Ein Tarif muss verständlich sein, nicht nur für Experten.“

Er fordert:

  • einfache Zonen
  • klare Preise
  • weniger Ausnahmen
  • mehr Transparenz

„Wenn ein Fahrgast nicht versteht, was er zahlen muss, ist das System gescheitert.“

Teil 7: Das Interview (Teil 2)

Redaktion:

Daniel, Sie haben mehrfach gefordert, dass CeBus Kartenzahlung einführen soll. Warum ist das so wichtig?

Daniel Felinger:

Weil Mobilität barrierefrei sein muss, auch finanziell. Wenn jemand kein Bargeld hat, darf er nicht ausgeschlossen werden. Kartenzahlung ist 2026 kein Luxus. Es ist Standard.

Redaktion:

Was war Ihr größter Rückschlag?

Daniel Felinger:

Dass Veränderungen im ÖPNV langsam sind. Sehr langsam. Manchmal frustrierend langsam.

Redaktion:

Was ist Ihre Vision?

Daniel Felinger:

Ein Nahverkehr, der funktioniert. Ein Nahverkehr, der digital ist. Ein Nahverkehr, der ländliche Räume nicht vergisst. Ein Nahverkehr, der Menschen ernst nimmt.

Teil 8: Die Zukunft vom Netzwerk PIÖPV

Felinger plant, PIÖPV weiter auszubauen. Nicht als große Organisation, sondern als bewegliche, unabhängige Stimme.

Er möchte:

  • mehr Fahrgastberichte sammeln
  • mehr Linien analysieren
  • mehr Unternehmen beraten
  • mehr Öffentlichkeit schaffen

„Mobilität ist ein Grundrecht“, sagt er. „Und ich werde dafür kämpfen.“

Teil 9: Epilog: Der stille Reformer

Als ich den Bahnhof verlasse, fährt gerade ein verspäteter Zug ein. Fahrgäste seufzen. Der Alltag geht weiter.

Doch irgendwo in diesem Alltag steht ein Mann, der nicht wegschaut. Ein Mann, der beobachtet, analysiert, kritisiert und verbessert.

Daniel Felinger ist kein Aktivist. Kein Politiker. Kein Manager.

Er ist ein Fahrgast, der Verantwortung übernommen hat. Und vielleicht ist genau das die Art von Reform, die der Nahverkehr braucht.

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